Juni 25, 2022

Sonst muss ich Dir Gelb machen!

Wenn nach einem Wochenende nicht über Schiedsrichter diskutiert wird, ist das der größte Glücksmoment für die Zunft der schwarzen Männer. So äußerte sich zumindest Deniz Aytekin, Bundesliga-Schiri und Thema einer Doku in der ARD. Schiedsrichter – was sind das für Menschen und was bewegt jemanden, einen solchen Job zu machen?

Hauptberuflich ist Aytekin als Unternehmer z.B. Mitgründer und Aufsichtsratsvorsitzender der anwalt.de services AG, die eine Online-Rechtsberatungsplattform anbietet; ebenfalls Mitbegründer des Onlinevertriebsportals fitnessmarkt.de sowie Geschäftsführer mehrerer Beratungsunternehmen im Esoterikbereich und Gesellschafter des Esoterikanbieters adviqo GmbH. Was hat das mit Fußball zu tun? Stimmt, nichts. Aber es sollte genug Einnahmen bringen, dass der schwarze Mann nicht auf Nebeneinnahmen angewiesen ist.

Der einzig interessante Moment bei der TV-Reportage war die Möglichkeit, dem zu folgen, was ein Schiedsrichter so während eines Spiels auf dem Platz so sagt. Und da scheint sich das Niveau in den letzten Jahren nicht geändert zu haben. Aytekin nahm sich da eine Spieler zur Seite und ermahnte ihn mit den Worten „… sonst muss ich Dir Gelb machen.“ Der ältere Fußballfan musste spontan an Ente Lippens denken. Der Kultfußballer erhält einmal die Gelbe Karte vom Schiedsrichter mit den Worten „Ich verwarne Ihnen“, worauf Lippens antwortete „Ich danke Sie!“ Deutsche Sprach sein schwere Sprach, und für den Schiedsrichter Job werden die schulischen Qualifikationen nicht zu hoch angesetzt. Der DFB hat wohl Angst, dass irgendwann nicht mehr genug Kandidaten diesen Job machen wollen.

Doch zurück zu Aytekin: Was meint denn nun der Schiedsrichter des Jahres 2019, wenn er einem Spieler droht, ihm Gelb zu machen? Will er ihn anstrullen oder mit  Senf beschmieren? Wer weiß das schon?

Leidenschaftlich wird der Mann mit der Pfeife jedenfalls nur, wenn es darum geht, Musik als DJ aufzulegen. Um hier besser zu werden, holt er sich sogar Anleitungen von Fachleuten. Wenn er das nur mal beim Fußball auch tun würde, vielleicht würde er dann so manche Entscheidung anders treffen.

Auch wenn einem Fußballfan weder die Pfiffe noch die Strullerattacken des langen Schlacks gefallen, so muss man konstatieren, dass es weitaus schlechtere Pfeifen gibt. An Erfahrung und Ehrgeiz liegt es aber nicht, unter Umständen ist es seine Unabhängigkeit. Oder anders ausgedrückt: Eventuell wäre es für den DFB eine gute Idee, als Schiedsrichter vor allem solche Personen zuzulassen, die über eine gewissen finanzielle Unabhängigkeit verfügen. Leider gibt es zu viele Polizisten unter den Schiedsrichtern, Menschen also, die nicht nur wenig verdienen, sondern sich schon von Berufswegen mit der organisierten Kriminalität auskennen.