Juni 25, 2022

Zu viele Sterne verwirren auch Präsidenten

Die Vereinigten Staaten von Amerika sind groß. Was einst mit 13 Gründungsstaaten begann, zählt heute 50 Bundesstaaten. Man erkennt es an der Nationalflaggen, die aus 13 Streifen ( 7 rote und 6 weiße Streifen) und 50 Sternen besteht. Man muss schon Jäger in einer beliebten Rateshow sein, um da den Überblick zu behalten.

Kennen Sie alle Bundesstaaten und Hauptstädte der USA? Nicht? Kein Problem, das tut der aktuelle Präsident Trump auch nicht. Während man ihnen diese Wissenslücke nicht anmerkt, weil sich diese Frage einfach im Alltag selten stellt, gibt es andere Menschen, die sehr gerne twittern.

Anlässlich des diesjährigen Super Bowls gratulierte Trump dem Siegerteam  der Kansas City Chiefs mit den Worten, dass sie den großartigen Staat Kansas würdig vertreten haben. Leider liegt Kansas City in Missouri.

Der Tweet wurde schnell wieder von ihm gelöscht und wenige Minuten danach durch eine zweite Version, die Kansas City korrekt in Missouri verortete, ersetzt. Die frühere demokratische Senatorin Missouris, Claire McCaskill, veröffentlichte einen Screenshot des ersten Trump-Tweets und bezeichnete den US-Präsidenten als „Idioten“.

Der Super Bowl ist weltweit eines der größten Einzelsportereignisse und erreicht in den Vereinigten Staaten regelmäßig die höchsten Fernseh-Einschaltquoten des Jahres. Weltweit schauen Jahr für Jahr mehr als 1 Mrd. Menschen diesem Spiel am TV zu. Neben dem Interesse am Spiel sorgen diverse Festivitäten für das große Interesse an diesem Sportereignis. Einer der Höhepunkte ist die Halbzeitshow, in der jedes Jahr spektakuläre Aufführungen mit bekannten Musik-Weltstars geboten werden. Und weil es immer nur die absoluten Superstars sein sollen, sind einige auch schon öfter dort aufgetreten und bringen dann ein Medley ihrer Hits, was von wilden Tanz-Choreografien eingerahmt wird.

Wer es nicht weiß, Super Bowl nennt man das Finalspiel um die US-Meisterschaft beim American Football. Das ist dieser hübsche Sport, bei dem hirnamputierte Stiernacken mit Helm und Schulterpolster sich gegenseitig zu Boden rammen, damit von der angreifenden Mannschaft ein Werfer zumindest wenige Sekunden Zeit hat, um einen durch die Abwehrlinie laufenden Mitspieler einen deformierten Ball zu zuwerfen. Das ist anscheinend so schwierig, dass man jeder Mannschaft drei Versuche zubilligt, um wenigstens 10 Yards Strecke zurück zu legen. Danach hat man weitere drei Versuche. Punkte gibt es, wenn man den komischen Ball über die Grundlinie des Gegners transportiert hat.

Wenn das zu schwierig wird, kann man den Ball auch vorher schon durch eine überdimensionale Stimmgabel kicken, bekommt dafür aber nur die Hälfte der Punkte. Die Nettospielzeit beträgt viermal 15 Minuten. Das ist nicht viel und würde kaum die Anfahrt der Fans rechtfertigen. Aber während beim Hallenhandball die Spielzeit nur gegen Ende der Halbzeiten bei längeren Unterbrechungen angehalten wird, tickt die Uhr beim Football wirklich nur, wenn Köpfe aneinander knallen und wieselflinke Afroamerikaner um ihr Leben rennen.

Unterm Strich kann so ein Spiel auch mal vier Stunden dauern, wenn gar nichts geht und die Schiedsrichter den kaum schlaueren Zuschauern die Regelverstöße erklären müssen. Darum gibt es beim Football auch immer Pausenmusik zwischen der Spielzeit. Während beim Handball aber bestenfalls ein Lied kurz angestimmt wird, sollte der DJ beim einem Football-Spiel besser seine gesamte Musiksammlung mit bringen.

Man muss schon schales Bier, Junkfood und schlechte Musik mögen und zudem viel Sitzfleisch besitzen, um das gut zu finden. In Deutschland führt dieser Sport daher völlig zurecht ein Schattendasein. Das spiegelt sich auch im Moderatoren Team bei der deutschen Übertragung wieder, zudem ein Yeti-Imitator gehört, der bei jeder Einreise in die USA befürchten muss, von Donald Trump adoptiert zu werden. Aber dann kann er dem Präsidenten wenigstens mal erklären, wo Kansas City liegt.

Glückwunsch den Kansas City Chiefs, die nach 50 Jahren mal wieder den Super Bowl gewonnen haben.