August 13, 2022

Wann ist eine Pandemie eine Pandemie?

Die einfache Antwort auf diese Frage: Wenn die WHO eine solche ausruft. Hier noch einmal die Definition: Pandemie bezeichnet eine „neu, aber zeitlich begrenzt in Erscheinung tretende, weltweite starke Ausbreitung einer Infektionskrankheit mit hohen Erkrankungszahlen und i. d. R. auch mit schweren Krankheitsverläufen.“ Im Unterschied zur Epidemie ist eine Pandemie örtlich nicht beschränkt, es kann aber auch bei Pandemien Gebiete geben, die nicht von der Krankheit betroffen werden. In Bezug auf die Influenza legte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in ihren zuletzt im Mai 2017 überarbeiteten Leitlinien zum Pandemic Influenza Risk Management fest, dass der WHO-Generaldirektor eine Pandemie – also den Übergang von einer Epidemie zur Pandemie – ausruft. (Quelle: Wikipedia)

Als Pandemie H1N1 2009/10 wurde die Schweinegrippe bezeichnet. Dahinter verbirgt sich das globale Auftreten von Influenza-Erkrankungen, die erstmals Mitte April 2009 bei zwei Patienten gefunden, die Ende März unabhängig voneinander in den USA erkrankt waren. Eine weitere Suche zeigte zunächst eine Häufung solcher Krankheitsfälle in Mexiko und Hinweise auf eine Verschleppung der Viren über die Landesgrenze nach Norden. Ende April 2009 warnte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) daher vor der Gefahr einer Pandemie und Anfang Juni 2009 wurden die wachsenden und anhaltenden Virus-Übertragungen von Mensch zu Mensch von der WHO dann als Pandemie eingestuft. Die WHO hatte jedoch bereits Mitte Mai bekannt gegeben, dass die Kriterien für die Ausrufung einer Pandemie angesichts der geringen Pathogenität dieses H1N1-Virus überarbeitet werden sollten. Die enorme Aufmerksamkeit und der Umfang der getroffenen Maßnahmen lag darin begründet, dass ein früherer H1N1-Subtyp die Influenza-Pandemie von 1918/19 (die Spanische Grippe) verursacht hatte, an deren Folgen zwanzig bis fünfzig Millionen Menschen verstarben. Im August 2010 erklärte die WHO die Phase der Pandemie für die Schweinegrippe für beendet, nachdem weltweit nur 18.449 Todesfälle durch Laboruntersuchungen bestätigt wurden. In Deutschland gab es zwar einen hysterischen Christian Drosten und auch die Medien schalteten sich auflagenstark ein. Allerdings erzeugte dieser Hype nicht den gewünschten Impfdruck. Die per Notfallzulassung massenhaft produzierten Impfstoffe mussten später massenhaft vernichtet werden.

In Folge der zur Pandemie aufgeblasenen Schweinegrippe kam es zu einer Untersuchung des Europarates. Dessen Ausschuss für Soziales, Gesundheit und Familie kritisierte den Mangel an Transparenz im Umgang mit der Pandemie und dass die WHO und andere Institutionen des öffentlichen Gesundheitswesens einen Teil des Vertrauens der europäischen Öffentlichkeit verspielt hätten.

Corona – neues Spiel, neues Glück

SARS-COV-2 trat laut Chinas Regierung erstmals Ende 2019 in der chinesischen Stadt Wuhan in Erscheinung. Die WHO erklärte am 30. Januar 2020 eine „gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite“. Die WHO legte am 11. Februar 2020 das Akronym »COVID-19« als offizielle Bezeichnung fest. Da die Erkrankung sich weltweit ausbreitete, wurde die Ausbreitung von COVID-19 am 11. März 2020 als Pandemie eingestuft.

Was genau hinter der Pandemie steckt und warum es möglich war, dass sich das Virus so schnell in allen Ländern dieser Erde verbreitete und praktisch in jedem Land die einheitliche Vorgehensweise praktiziert wurde, ist nicht Gegenstand dieses Artikels. Hier geht es zunächst einmal darum zu beschreiben, für wenn COVID-19 überhaupt gefährlich ist und in welchem Ausmaß sich diese Gefährlichkeit gezeigt hat.

Die folgenden Grafiken und damit Daten stammen von EuroMOMO. Das ist eine europäische Mortalitätsüberwachungseinrichtung, die darauf abzielt, übermäßige Todesfälle im Zusammenhang mit saisonaler Grippe, Pandemien und anderen Bedrohungen der öffentlichen Gesundheit zu erkennen und zu messen.

Dankenswerter Weise gehen die Daten über die Dauer der Pandemie hinaus, d.h. die ältesten Daten der Grafiken stammen aus dem Frühjahr 2018, es werden also exakt 5 Jahre abgebildet. Die starke Grippewelle des Winters 2017/18 lassen sich also noch erkennen. Wohlgemerkt, dies ist eine Betrachtung zur Ermittlung von Übersterblichkeit. Die Todesursache Influenza wurde noch nie registriert und damit statistisch erfassbar gemacht. Dazu bräuchte es dann nämlich auch für jeden Toten eine genau Obduktion. Bei Herzkreislauf- und Krebstoten gibt es ziemlich genaue Daten. Für die Bewertung einer Pandemie geht es nur mittels Übersterblichkeit die Auswirkungen zu schätzen.

Mit der kräftigen blauen Linie werden die Todesfälle im Verlauf der Zeit abgebildet. Diese unterliegen ständigen Schwankungen. Es zeichnet sich aber Korridor ab, der hellblau unterlegt ist und als „normaler Bereich“ bezeichnet wird. Eine deutliche und damit außergewöhnliche Steigerung liegt dann vor, wenn die rot-gestrichelte Linie erreicht und überschritten wird.

Wenn man sich die Todesfälle nach den Altersgruppen anschaut, erkennt man eines sofort. Corona ist eine Pandemie der Älteren. Bei Kindern und Jugendlichen verläuft die Kurve fast ausschließlich innerhalb des hellblauen Korridors, es gibt nur wenige kleine Ausreißer.  Auch in der Altersgruppe von 15 bis 44 Jahren gibt es keine besonders auffälligen Ausreißer. Es gibt allerdings deutlicherer Ausschläge oberhalb des normalen Bereichs. Diese nehmen seit Mitte 2021 etwas zu und übersteigen im Dezember sogar die gestrichelte Linie der deutlichen Steigerung.

Ab der Altersstufe 45 Jahre ergibt sich ein anderes Bild. Nicht mehr viele Zickzack-Bewegungen der Kurven, sondern statt kleinerer Bewegungen erkennt man glattere Wellenbewegungen. Der „normale Verlauf“ hat somit einen kleineren Korridor, zeigt dafür aber über die Jahre eine ziemlich konstante Wellenbewegung.

Interessant ist, dass die Wellenbewegungen über den gesamten Darstellungsbereich von 5 Jahren sehr gleichmäßig verläuft. Diese Wellen gibt es in jedem Jahr. Unterschiedlich sind die größeren Ausschläge an den Wellenbergen. Im Winter 2018/19 gab es zwei Spitzen, jeweils eine vor und nach dem Jahreswechsel. Im nächsten Winter war es nur ein Ausreißer mit einer Spitze im Januar 2019. Im Jahre 2020 sorgte Corona für eine hohe Spitze in der 16. KW.

Im Winter 2020/21 war es dann die Alpha-Mutante, die für ein längeres Übersteigen der rot-gestrichelten Linie sorgte. Das Aufkommen von Delta hatte keinen Einfluss mehr auf die bereits fallende Sterblichkeitskurve. Im Zeichen von Delta stand dann aber der zweite Pandemie-Winter. Dass Omikron ab Januar 2022 die dominierende Corona-Variante wurde, hat für ein Absenken der Sterbezahlen geführt.

Die Sterbezahlen unterliegen einer Wellenbewegung in Abhängig von den Jahreszeiten und somit vom Wetter. Das gilt für jedes Jahr. Die grundsätzliche Wellenbewegung wurde durch die Corona-Pandemie nicht verändert. Grundsätzlich und über die meiste Zeit des Jahres besteht kein Unterschied zu Jahren, in denen eine Grippewelle vorherrschte. Damals wurde keine Pandemie ausgerufen.

Ausreißer am Höhepunkt einer Wellen im Winter gab es jedes Jahr, also auch in einem Influenza-Jahr. Corona hat nur für etwas höhere Ausschläge bei der älteren Bevölkerung gesorgt. Im letzten Winter mit Delta als vorherrschende Variante gab es für die Altersgruppen ab 65 Jahren einen weniger hohen Ausschlag  als in den Influenza-Wintern 2017/18 und 2018/19. Nach diesen Kurven spricht aktuell nicht mehr viel für eine Pandemie. Eine erhöhte Sterblichkeit war nur um die Jahreswenden in der Pandemie zu verzeichnen.

Ländervergleich der Übersterblichkeiten

Nach den Zahlen für Deutschland sollte man sich anschauen, was bei einigen europäischen Nachbar los war. Um die Übersterblichkeiten miteinander vergleichbar zu machen, muss man die gemeldeten Werte zunächst auf ein einheitliches Maß bringen. Dazu verwendet man sog. Z-Scores. Definition:

„Z-Scores werden verwendet, um Reihen zu standardisieren und einen Vergleich des Mortalitätsmusters zwischen verschiedenen Populationen oder zwischen verschiedenen Zeiträumen zu ermöglichen. Die Standardabweichung ist die Maßeinheit des Z-Scores. Es ermöglicht den Vergleich von Beobachtungen aus verschiedenen Normalverteilungen.“

Bei den folgenden Zeitreihen werden die Länder Österreich, Frankreich, Deutschland, Spanien, Schweden und England für die Jahre 2018 bis Februar 2022 verglichen. Der offizielle Ausbruch der Pandemie hatte unmittelbar eine enorme Steigerung der Übersterblichkeit zur Folge. Am wenigsten hat sich diese in Österreich und Deutschland gezeigt. Einen kurzen sehr hohen Ausschlag der Kurve gab es für Frankreich, Spanien und England.

Das ist dann aber auch schon das Ende der Gemeinsamkeiten. Die folgenden Wellen hatten in den einzelnen Ländern ihren Höhepunkt zu unterschiedlichen Zeiten. Die Urtyp und Alpha-Variante sorgten in Frankreich bereits im November 2020 für eine Spitze, während sich diese in Deutschland erst im Dezember entwickelte. In England gab es die zweithöchste Sterberate der Pandemie im Januar 2021. Dafür war es in Österreich, Deutschland und England im Wesentlichen auch nur ein hoher Berg, während des ersten Winters. Frankreich und Spanien hatten zwei bzw. drei Wellenberge, die auf neue Mutanten zurückzuführen sind. Delta erreichte Deutschland relativ spät, als wetter- bzw. jahreszeitenbedingt die Erkrankungswelle bereits deutlich abnahm.

Vier Dinge fallen bei diesen Kurven auf:

  1. Schweden hat ohne Lockdown und andere restriktive Maßnahmen während der gesamten Pandemie eine vergleichsweise geringe Übersterblichkeit zu verzeichnen.
  2. Österreich hat nur bei zwei Wellen die gestrichelte Linie einer deutlichen Steigerung der Sterblichkeit durchbrochen und das auch nicht sehr stark. Trotzdem soll es dort eine allgemeine Impfpflicht geben. In Deutschland ist es vergleichbar, hier wird die Impfpflicht aber noch diskutiert.
  3. England hat zwei sehr deutliche Durchbrüche zu verzeichnen und trotzdem bereits im Sommer 2021 ihren Freedom Day verkündet. Erstaunlicherweise hat es danach trotz vergleichbarer Anstiege der Infektionszahlen durch Delta und Omikron keine deutlichen Steigerung mehr bei den Todesfallzahlen gegeben.
  4. In Deutschland gab es Im Winter 2017/18 eine starke Influenza-Welle. Diese Grippe führte zu schätzungsweise über 20.000 Toten. In dieser Z-Score-Grafik ist der Wert etwas geringer, er liegt aber höher als bei jeder Corona-Welle. Influenza hat 2018 nicht für eine Pandemie gesorgt, nicht einmal zu besonderen Maßnahmen der Bundesregierung zum Schutze der Bevölkerung.

 

Fazit

Anhand der Sterblichkeitskurven kann man nicht wirklich eine Pandemie erkennen. Eine deutliche Erhöhung der Sterbezahlen lag im Winter nur jeweils für kurze Zeit vor. Dafür über einen Zeitraum von zwei Jahren eine Pandemie auszurufen, erscheint zumindest fraglich.