August 2, 2021

Um Panik wird gebeten!

Es gibt Situationen, da scheint Panik in jedem Falle zu helfen. Zum einen nutzt man dieses politische Stilmittel, wenn man Handlungen rechtfertigen will, für die man sonst nur wenige Befürworter findet. Zumindest nicht für die wahren Gründe. Die Angst vor dem islamistischen Terror hat für die Amerikaner zwei Kriege möglich gemacht, die sonst weder von anderen Regierungen noch der Weltbevölkerung akzeptiert worden wären. Öffentliche Verkehrsmittel wurden zum wahrscheinlichsten Terrorziel  erklärt und fortan Bahnhöfe per Kameraüberwachung auf herrenlose Koffer und Bartträger durchforstet sowie der Security Check auf Flughäfen auf zum Teil absurde Weise verschärft. Ein Dauerzustand, obwohl es keine Anzeichen für neue Terroraktivitäten gibt. Aber eine einmal geschürte Angst bleibt.

Panik hilft aber auch, wenn man die Bevölkerung zu bestimmten Handlungen bewegen will. Vor allem wenn diese Maßnahmen aus vernünftigen Gründen bisher auf eine geringe Zustimmung getroffen sind, wie zum Beispiel das Impfen. Für die Grippeimpfungen können sich jedes Jahr nur ca. 25 Prozent der Erwachsenen begeistert. Vom RKI und den inzwischen einschlägig bekannten Virologen und Epidemiologen hört man von einer Mindestquote von 85 Prozent, um der Verbreitung des Coronavirus nachhaltig Einhalt zu gebieten.

Ein Panik-Karussell aus Infektionszahlen, überlasteten Intensivstationen, Long-Covid und immer neuen Mutanten mit wachsender Gefährlichkeit in Bewegung zu setzen, macht daher durchaus  Sinn, um die Impfquote zu erhöhen, wenn man denn das Spritzen eines langfristig noch nicht getesteten Wirkstoffs als die bestmögliche Lösung ansieht.

Das RKI bewertete das Risiko für die Bevölkerung in Deutschland am 28. Februar 2020 zunächst als „gering bis mäßig“, ab März 2020 zunächst für Risikogruppen für „hoch“. Im März 2020 war das Ausmaß der Corona-Pandemie zumindest offiziell noch nicht bekannt. Ein erfolgreich einzusetzender Impfstoff war überhaupt noch nicht in Sicht. Trotzdem stellte der Deutsche Bundestag bereits am 25. März 2020 eine „epidemische Lage von nationaler Tragweite“ fest. Am 27. März 2020 trat das Gesetz zum Schutz der Bevölkerung bei einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite in Kraft.

Schon vorher wurde am 18. März 2020 vom Bundesinnenministerium ein 17-seitiges Strategiepapier mit dem Titel „Wie wir COVID-19 unter Kontrolle bekommen“ verfasst und an andere Ministerien verteilt. Zu diesem Zeitpunkt lag die 7-Tage-Inzidenz bei 6,1 – ein Wert der heute den Verzicht sämtlicher Lockdown-Maßnahmen bedeuten würde. Insgesamt waren bis dato lediglich 6.865 Menschen nachweislich infiziert und an oder mit Corona 23 Verstorben. Nichts davon deutet auf eine  weltweite Pandemie oder gar den Untergang der Weit hin.

Trotzdem heißt es in dem Strategiepapier: „Die meisten Virologen, Epidemiologien, Mediziner, Wirtschafts-und Politikwissenschaftler beantworten die Frage «was passiert, wenn nichts getan wird» mit einem Worst-Case-Szenario von über einer Million Toten im Jahre 2020 – für Deutschland allein. Ein Expertenteam von RKI, RWI, IW, SWP, Universität Bonn/University of Nottingham Ningbo China, Universität Lausanne und Universität Kassel bestätigt diese Zahlen mit einem für Deutschland entwickelten Gesamtmodell.

Die Vermeidung dieses Worst Case hat deswegen oberste strategische Priorität und ist nach den Berechnungen und Empfehlungen dieses Expertenteams nicht nur zwingend notwendig, sondern auch immer noch möglich.“

Weitere Schlüsselsätze sind zum Beispiel:

  1. Der Worst Case ist mit allen Folgen für die Bevölkerung in Deutschland unmissverständlich, entschlossen und transparent zu verdeutlichen.
  2. Die Bürger müssen nachvollziehen können, dass folgende Maßnahmen nur mit ihrer Mithilfe zu ihrem Wohl umgesetzt werden müssen und können.
  3. Um die gewünschte Schockwirkung zu erzielen, müssen die konkreten Auswirkungen einer Durchseuchung auf die menschliche Gesellschaft verdeutlicht werden.

Ganz wild wird es in dem Strategiepapier, wenn die folgenden Szenarien ausgemalt werden. Hier geht es nur um eines: Angst machen um jeden Preis. Dort heißt es wortwörtlich:

  1. Viele Schwerkranke werden von ihren Angehörigen ins Krankenhaus gebracht, aber abgewiesen, und sterben qualvoll um Luft ringend zu Hause. Das Ersticken oder nicht genug Luft kriegen ist für jeden Menschen eine Urangst. Die Situation, in der man nichts tun kann, um in Lebensgefahr schwebenden Angehörigen zu helfen, ebenfalls. Die Bilder aus Italien sind verstörend.
  2. „Kinder werden kaum unter der Epidemie leiden“: Falsch. Kinder werden sich leicht anstecken, selbst bei Ausgangsbeschränkungen, z.B. bei den Nachbarskindern. Wenn sie dann ihre Eltern anstecken, und einer davon qualvoll zu Hause stirbt und sie das Gefühl haben, Schuld daran zu sein, weil sie z.B. vergessen haben, sich nach dem Spielen die Hände zu waschen, ist es das Schrecklichste, was ein Kind je erleben kann.
  3. Folgeschäden: Auch wenn wir bisher nur Berichte über einzelne Fälle haben, zeichnen sie doch ein alarmierendes Bild. Selbst anscheinend Geheilte nach einem milden Verlauf können anscheinend jederzeit Rückfälle erleben, die dann ganz plötzlich tödlich enden, durch Herzinfarkt oder Lungenversagen, weil das Virus unbemerkt den Weg in die Lunge oder das Herz gefunden hat. Dies mögen Einzelfälle sein, werden aber ständig wie ein Damoklesschwert über denjenigen schweben, die einmal infiziert waren. Eine viel häufigere Folge ist monate- und wahrscheinlich jahrelang anhaltende Müdigkeit und reduzierte Lungenkapazität, wie dies schon oft von SARS-Überlebenden berichtet wurde und auch jetzt bei COVID-19 der Fall ist, obwohl die Dauer natürlich noch nicht abgeschätzt werden kann.

Obwohl dieses Strategiepapier wenig überraschend als „Verschlusssache – Nur für den Dienstgebrauch“ eingestuft wurde, gelangte es durch die Plattform FragDenStaat an die Öffentlichkeit. Interessant ist, wie sich die bekannten Medien damit auseinandergesetzt haben.

„Während tagesschau.de Handlungsanweisungen zum vermehrten Testen in den Mittelpunkt rückte, beschrieb der Spiegel zunächst das Worst-Case-Szenario aus dem Papier, nach dem es zu über einer Millionen Todesfällen kommen würde. Die taz erwähnte zudem Vorschläge zu einer Veränderung der Kommunikationsstrategie.“ heißt es dazu bei abgeordnetenwatch.de.

Über’s Ziel hinaus geschossen

Mehr als eine Million Tote durch Corona? Ernsthaft? Damit lag die Prognose nur um 99,97 Prozent daneben. 33.791 Tote wurden wohlwollend für das Jahr 2020 gezählt. Diese Zahl hätte man noch um 70% reduzieren können, wenn man es verstanden und gewollt hätte, schutzlose Personen in Altenheimen zu schützen.

Und welche Maßnahmen wurden 2020 durchgeführt, um diesen Worst Case zu verhindern? Die Einschränkung privater Kontakte (zumindest theoretisch), ein Verbot von Veranstaltungen, Besucherverbot für Sportveranstaltungen,  Atemmasken aus Stoff in geschlossenen Räumen, Schließung von Fitnessstudios und Schulen, Empfehlung zu möglichst viel Home-Office und ein zeitlich befristeter Lockdown für den Einzelhandel. Neben der Empfehlung, Home-Office zu ermöglichen, wurde aber in Fabriken munter weiter produziert, konnte in Großraumbüros und kleinen Bürozimmern unvermindert weiter gearbeitet werden und wurden schließlich die Hygiene-Vorschriften in Schlachthäusern auch weiterhin nicht so ernst genommen.

Es gab keine Impfung und natürlich nicht einmal eine Idee für eine wirksame Behandlung infizierter Menschen. Trotzdem wurde der Worst Case um 99,97 Prozent unterschritten. Jetzt könnte es an den grandiosen Maßnahmen gelegen haben, dass so erfolgreich dem Worst Case entgegen gearbeitet wurde. Dann muss man sich aber Fragen, warum die Maßnahmen Anfang 2021 um ein vielfaches verschärft wurden? Durch den Zwang, statt Stoffmasken nur noch medizinische Atemmasken oder FFP2-Masken tragen zu dürfen, wurde eine Infektionsgefahr auf ein Minimum reduziert. Warum sollte bei einer Erfolgsquote von 99,97 Prozent eine Ausgangssperre noch notwendig sein?

Eine Ausgangssperre und das Tragen von Atemmasken ist eine von jedermann täglich realisierte Einschränkung des Lebens, deren Ende man sich natürlich herbei sehnt. Diese Maßnahmen sollten den Ernst der Lage deutlich machen. Während das Tragen von Atemmaske absolut sinnvoll erscheint – immerhin gab es in ganz Deutschland weniger als 600 Influenza-Fälle im Winter 2020/21 – sind alle anderen Maßnahmen eher fragwürdig. Wenn aber mehr Einschränkungen verlangt werden, als eigentlich nötig sind, bleibt die Frage nach dem Warum. Nie falsch liegt man, wenn man weiter fragt, wer einen finanziellen Vorteil davon hat. Da kommt man dann sehr schnell auf die Firmen, die gerade an dem Impfstoff Milliarden verdienen.

Nicht vergessen darf man, dass im Jahre 2011 für 130 Mio. Euro Impfstoffe vernichtet werden mussten, weil sich die damals grassierende Schweinegrippe als harmlos herausgestellt hatte. Auch das Coronavirus ist nicht neu. SARS (im Jahre 2002) und MERS (2012), zwei Vorläufer von SARS-Cov2, sorgten für die gleiche Symptomatik und schwere Atemwegserkrankungen mit Todesfolge. Nur die Verbreitung war wesentlich geringer und damit die Notwendigkeit, eine Pandemie auszurufen. Allerdings war die Letalitätsrate bei beiden höher als bei COVID-19. Über alle fünf Kontinente erkrankten weltweit in 26 Ländern insgesamt 8.096 Menschen an SARS. 774 Patienten verstarben, was einer Letalitätsrate von 9,6 % entspricht. Bei MERS waren insgesamt 27 Länder. Bis Ende November 2019 wurden nach WHO-Angaben weltweit 2.494 laborbestätigte MERS-Fälle gezählt, davon 858 Todesfälle (Letalitätsrate: 34.4 %). (Quelle: Bayrisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit)

Die Erstellung eines solchen Strategiepapiers könnte also seinen Anlass daraus gezogen haben,  dass es bisher zwar bereits einige Virusbedrohungen gegeben hat, man daraus aber bei Weitem nicht genug gemacht hat. Die Hinzuziehung von Marketing- und Wirtschaftsfachleuten aus dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW), dem Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) und von der Südwest Presse (SWP) macht aus dieser Warte absolut Sinn. Warum das Helmholtz Institut, das wie die SWP aus Ulm kommt, unter den Autoren nicht genannt werden wollte, aber sicher ebenfalls daran mitgewirkt hat, wird deutlich, wenn man sich die Szenarien einmal genauer unter die Lupe nimmt.

Widerwärtige Szenarien

Neben einer völlig überzogenen Opferzahl von über einer Million Toten wurden ja auch drei zu kommunizierende Darstellungen für die Kommunikation mit den Bürgern vorgelegt, die man heute mit Fakten hinterfragen kann.

Schreckgespenst 1: Viele Schwerkranke werden von ihren Angehörigen ins Krankenhaus gebracht, aber abgewiesen, und sterben qualvoll um Luft ringend zu Hause.

Fakt: Zu keiner Zeit gab es einen generellen Notstand bei den Intensivbetten. Ganz im Gegenteil. Durch die vom Bundesgesundheitsamt fürstlich dimensionierten Freihaltepauschalen, war es für Krankenhäuser lukrativ, eine gewisse Anzahl an Intensivbetten nicht zu belegen. Gleichzeit gab es Geld von Spahn, für eine bestimmte Auslastungsquote durch Corona-Patienten. Das führte dazu, dass die Zahl der belegten Intensivbetten seit Mai 2020 auf einem stabilen Niveau gehalten wurde. Die Zahl der freien Betten wurde sogar ab Herbst reduziert, also zu dem Zeitpunkt, als die Zahl der Infektionen wieder deutlich anstieg. Im Verlauf der zweiten Welle wurde dann sogar die gesamte Kapazität an Intensivbetten (belegt, frei, Notfallreserve) reduziert.

Nicht ein einziger Corona-Intensiv-Patient musste nach Hause geschickt werden. Niemand ist zu Hause erstickt. Allerdings hat der Einsatz einer künstlichen Beatmung in 53 Prozent der Fälle zum Tode geführt. Man könnte also mit dem gleichen Sarkasmus der Strategiepapierautoren behaupten, dass zumindest theoretisch mehr Menschen zu Tode therapiert wurden.

Fazit zu 1: Das Ersticken als typische Konsequenz einer Erkrankung darzustellen und das bewusste Spielen mit Urängsten des Menschen ist eine menschenverachtende, über alle Maßen schamlose Darstellung.

Schreckgespenst 2: Kinder werden sich leicht und ebenso ihre Eltern anstecken.

Fakt: Kleinkinder infizieren sich am seltensten. Am häufigsten infizieren sich Männer und Frauen der Altersgruppe 15 bis 34 und Frauen über 80. Kinder im Alter zwischen 5 und 14 infizieren sich nur unwesentlich häufiger als Menschen zwischen 60 und 79.

Relativiert werden diese Infektionen, wenn man die Todesfälle dazu in Relation setzt. Einen tödlichen Verlauf nimmt eine Covid-19-Infektion im Wesentlichen für Menschen über 80 Jahre, dort aber auch ganz erheblich. Deutlich weniger Opfer gibt es in der Gruppe der 60- bis 79-jährigen. Praktisch keine Rolle bei den Sterbezahlen spielt Corona für Menschen unter 60.

(Quelle: RKI)

Das Szenario, Kinder könnten Ihrer Eltern anstecken, ist denkbar, wird aber durch die Studie von Virologe Streeck in Heinsberg nicht zwingend gestützt.  Dort heißt es: „Das unerwartet niedrige Sekundärinfektionsrisiko bei im selben Haushalt lebenden Personen hat wichtige Auswirkungen auf die Maßnahmen zur Eindämmung der SARS-CoV-2-Virus-Pandemie.“ Innerhalb eines Haushalts haben sich bei weitem nicht alle angesteckt, also Kinder auch nicht zwingend ihre Eltern.

Fazit zu 2: Kinder mit dem Argument einzuschüchtern, sie könnten ihre Eltern anstecken und dadurch für deren Tod verantwortlich sein, ist eine zutiefst verabscheuungswürdige Perversion des Geistes. Wer sich so etwas ausdenkt, ist ein perverses Drecksschwein, zumal diesem Szenario jegliche Grundlage fehlt.

Schreckgespenst 3: Wer sich einmal infiziert hat, ist dem Tode geweiht, wird aber wenigstens dauerhafte Schäden davontragen.

Fakt: Bis heute ziehen Virologen in Talk-Shows die Trumpfkarte Long-Covid aus dem Ärmel. Dahinter verbergen sich dauerhafte Symptome der Erkrankung, die sich wenigstens über Wochen halten. Genauer spezifiziert werden kann das aber noch nicht:

„Wir haben immer noch nicht vollständig ergründet, was Long-Covid ist.“ Janet Diaz, WHO-Expertin und Long-Covid-Beauftragte, am 2. Februar 2021

Forscherteams aus den USA, England und Schweden haben im März 2021 Daten einer Smartphone-App ausgewertet, bei der mehr als 4.000 Infizierte ihre Symptome angeben konnten: Mehr als 13 Prozent hatten Beschwerden, die sich länger als 28 Tage zogen. 4,5 Prozent litten noch mehr als acht Wochen unter Symptomen, zwei Prozent mehr als zwölf Wochen. Auch in Deutschland gab es solche Auswertungen. Auf die gesamte Zahl der zur Studie eingeladenen Infizierten gerechnet, wiesen bei diesen deutschen Probanden noch knapp 13 Prozent Symptome über einen längeren Zeitverlauf auf.

Von dem in dem Szenario geäußertem Herzinfarktrisiko ist aber keine Spur. „Etwa zwei Drittel der COVID-19-Patienten haben noch Monate nach der akuten Infektion Beschwerden. Spezifisch das Herz betreffen diese nach heutigem Kenntnisstand aber nicht, wie ein Experte bei der DGK-Jahrestagung erläuterte.“ Kardiologe Prof. Andreas Zeiher hat auch ein Problem mit dem Begriff „Long Covid“, denn dieser suggeriere, dass es sich um eine Erkrankung handele. Aus seiner Sicht ist aber bestenfalls ein Potpourri unterschiedlicher Syndrome ferstzustellen. Für einen Kardiologen gibt es keine Anhaltspunkte dafür, dass es eine spezifische Long Covid-Erkrankung gebe. (Quelle: kardiologie.org)

Fazit zu 3: Auch das dritte Szenario entbehrt jeglicher Grundlage. Langfristige Folgen einer Viruserkrankungen sind nicht ungewöhnlich und werden auch bei der Influenza beobachtet. Das sind aber eher Einzelfälle und nicht wie dargestellt die Folgen für jeden Infizierten. Die meisten aufgrund von Tests festgestellten Infizierungen verliefen harmlos, viele hatten gar keine nennenswerten Symptome. Das spricht für die These, dass COVID-19 für ein intaktes menschliches Immunsystem kein Problem darstellt.